Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom)

Was sind die Ursachen?

Scheidenkrebs ist ein seltener bösartiger Tumor, der vor allem ältere Frauen zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr betrifft. In über 95 Prozent der Fälle entwickelt sich der Krebs in der oberen Schleimhautschicht (Plattenepithel), in seltenen Fällen bildet er sich aus dem Drüsengewebe (Adenokarzinom) oder aus Muskelzellen (Rhabdomyosarkom). Etwa 60 Prozent der Erkrankung sind eine Folge von Tumoren aus benachbarten Organen.

Wie auch bei Gebärmutterhalskrebs gilt eine HPV-Infektion, besonders mit den HPV-Typen 16 und 18, als Ursache für Scheidenkrebs. Regelmäßige gynäkologische Untersuchungen helfen, bereits die Vorstufen (VaIN I–III) zu diagnostizieren, womit Schleimhautveränderungen klassifiziert werden können. In der Regel sind die Vorstufen gut behandelbar. Neben einer HPV-Infektion begünstigen eine Immunsuppression oder andere Tumoren im Genitaltrakt Scheidenkrebs.

HPV-Impfung

Da eine HPV-Infektion Scheidenkrebs begünstigt, ist eine Impfung ratsam. Mädchen und Frauen profitieren am meisten davon, wenn sie noch nicht sexuell aktiv waren; Buben und Männer sollten geimpft werden, um eine Ausbreitung von HPV zu verhindern. Doch auch Erwachsene, die sexuell bereits aktiv waren, können von der Impfung profitieren.

Wie wird Scheidenkrebs diagnostiziert?

Die jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung ist besonders wichtig, weil Scheidenkrebs sehr lange symptomfrei ist. In fortgeschrittenem Stadium können Scheidenblutungen auftreten, beispielsweise nach sexuellem Kontakt. Ebenso ist ein blutiger Ausfluss ein möglicher Hinweis auf eine schwere Erkrankung. Wenn sich der Tumor auf umliegendes Gewebe ausgebreitet hat, können Unterleibsschmerzen oder auch Probleme mit der Harnblase und dem Darm auftreten.

Der Arzt untersucht die Schleimhaut der Scheide und der Schamlippen mit einer Lupe (Vaginoskopie und Vulvoskopie), um so Veränderungen besser zu erkennen. Anschließend tastet er die Scheide nach verfestigtem Gewebe ab. Wenn ein Verdacht auf Scheidenkrebs besteht, entnimmt er ein Gewebestück, das dann unter dem Mikroskop untersucht wird.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Werden die Vorstufen von Krebs im Rahmen der jährlichen gynäkologischen Untersuchung entdeckt, werden diese je nach Einteilung behandelt oder beobachtet:

Krebsvorstufen

  • VaIN I: In diesem Stadium beobachtet der Arzt, wie sich die Krebsvorstufe weiterentwickelt, da eine Rückbildung möglich ist.
  • VaIN II: Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Die Zellveränderungen werden über einen gewissen Zeitraum beobachtet, oder aber es wird die Stelle direkt ausgeschnitten (Exzision).
  • VaIN III: Liegt dieser Befund vor, wird das Tumorgewebe mithilfe von Laser zerstört (Destruktion) oder die betroffene Stelle ausgeschnitten (Exzision).

Steht fest, dass es sich um Scheidenkrebs handelt, erfolgen weitere Untersuchungen. Um die Ausbreitung des Tumors zu beurteilen, wird nach dem Arztgespräch eine Tastuntersuchung durchgeführt, gefolgt von einer Ultraschalluntersuchung der Scheide von innen, der Leber und der Niere; außerdem wird oft eine Harnwegs- und Darmspiegelung durchgeführt. Hinzu kommen Röntgenaufnahmen der Lunge und eine Kernspintomografie des Beckens.

Scheidenkrebs wird mit einer Bestrahlung und Operation behandelt:

  • Eine Bestrahlung erfolgt entweder direkt ins Gewebe oder von außen über die Haut. Um radikale Operationen zu vermeiden, wird oft eine Bestrahlung bevorzugt.
  • Bei einer Operation werden kleine Tumoren lokal aus der Schleimhaut entfernt, wodurch die Scheide recht intakt bleibt. In manchen Fällen ist eine größere Operation notwendig, bei der die Scheide und die Gebärmutter entfernt werden. Die Lymphknoten des kleinen Beckens werden ebenfalls entnommen, um zu sehen, ob auch diese vom Tumor betroffen sind. Falls die Scheide operativ entfernt wird, wird sie mit einem Darmstück nachgebildet.

Wie sieht die Nachsorge aus?

Nach einer Therapie erfolgen im ersten Jahr alle drei Monate, im zweiten Jahr alle sechs Monate und anschließend jährlich Kontrolluntersuchungen, in denen die Scheide genau untersucht und ein Abstrich genommen wird, um die Zellen auf Veränderungen zu prüfen. Ergänzend wird manchmal eine MRT oder eine CT durchgeführt.

Die Prognose ist abhängig davon, zu welchem Zeitpunkt Scheidenkrebs diagnostiziert wurde. Die allgemeine Fünfjahresüberlebensrate beträgt maximal 40 Prozent. Das liegt daran, dass die Erkrankung lange Zeit symptomlos verläuft, die Therapiemöglichkeiten begrenzt sind und der Krebs häufig wiederkommt. Genau aus diesem Grund sind die jährlichen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen ausgesprochen wichtig.

Die Nachsorge betrifft nicht nur die medizinischen Untersuchungen, sondern auch die seelische Belastung der Patientinnen. Die Angst vor einem Organverlust oder einem Rückfall ist eine psychische Belastung, die sich auf das Selbstwertgefühl auswirkt. Neben der medizinischen ist daher auch die psychologische Betreuung wichtig.

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