Schamlippenkrebs (Vulvakarzinom)

Was verursacht Schamlippenkrebs?

Schamlippenkrebs ist eine seltene bösartige Tumorerkrankung des äußeren weiblichen Geschlechtsorgans, bei der häufiger die großen Schamlippen und seltener die kleinen Schamlippen und die Klitoris betroffen sind. 90 Prozent der Tumoren entwickeln sich aus veränderten Zellen der Schleimhautschicht (Plattenepithelkarzinom). Frauen zwischen 60 und 75 Jahren sind davon am häufigsten betroffen.

Vor allem Infektionen mit den HPV-Typen 16 und 18 erhöhen das Risiko, an Schamlippenkrebs zu erkranken. Auch andere sexuell übertragbare Infektionen wie Herpesviren, Chlamydien und Syphilis können eine Rolle spielen, zudem chronische Erkrankungen der Schamlippen und der Scheide, das Rauchen, ein geschwächtes Immunsystem oder chronisch entzündliche Hauterkrankungen wie beispielsweise Lichen sclerosus.

HPV-Impfung

Eine HPV-Impfung senkt das Risiko, an Schamlippenkrebs zu erkranken. Grundsätzlich wird empfohlen, sich vor dem ersten sexuellen Kontakt zu impfen. Derzeit wird ein Neunfach-Impfstoff gratis für Mädchen und Buben zwischen 9 und 12 Jahren angeboten, Kinder ab dem 12. und bis zum 15. Geburtstag erhalten die sogenannte „Nachholimpfung“ zum vergünstigen Selbstkostenpreis.

Die Impfung besteht aus zwei Teilimpfungen, die zweite sollte nach sechs bis zwölf Monaten gegeben werden. Ab dem 15. Geburtstag besteht die HPV-Impfung aus drei Teilimpfungen, nach zwei und nach sechs Monaten. Insgesamt sollten die drei Impfungen innerhalb eines Jahres verabreicht werden.

Ist eine HPV-Impfung bei Erwachsenen sinnvoll?

Auch wenn sexuell nicht aktive Kinder besser auf Impfungen ansprechen, kann eine HPV-Impfung bei Erwachsenen sinnvoll sein. Wer sich einmal infiziert hat, ist nur kurzfristig gegen diesen speziellen Virustyp immun. Eine Impfung ermöglicht hingegen einen lang anhaltenden Schutz, auch vor anderen Virustypen.

Welche Hinweise auf Schamlippenkrebs gibt es?

In den meisten Fällen wird Schamlippenkrebs erst symptomatisch, wenn sich spürbare Knoten oder Geschwüre mit blumenkohlartiger Oberfläche gebildet haben. Unter Umständen können davor folgende Symptome auftreten:

  • Juckreiz
  • Brennen
  • Schmerzen
  • blutiger Ausfluss oder kleine, weiße und möglicherweise rote Verhärtungen oder Flecken, die an Warzen und Narben erinnern

Über Beschwerden im Intimbereich redet niemand gerne, doch zögern Sie nicht, bei Symptomen Ihren Arzt zu kontaktieren!

Da Schamlippenkrebs genauso wie Scheidenkrebs und Gebärmutterhalskrebs lange symptomfrei ist, sind die jährlichen gynäkologischen Routineuntersuchungen sehr wichtig, um Vorstufen einer Krebserkrankung rechtzeitig zu erkennen.

Krebsvorstufen

HPV-Infektionen führen zu Veränderungen der Schleimhautzellen, die als Vorstufen von Schamlippenkrebs gelten, die sogenannten vulvären intraepithelialen Neoplasien (VIN). Abhängig von den Veränderungen der Zellen unterscheidet man VIN I bis III. Eine Krebsvorstufe muss nicht zwangsläufig zu Schamlippenkrebs führen.

Wie erfolgt die Diagnose?

Schamlippenkrebs ist häufig ein Zufallsbefund bei der jährlichen frauenärztlichen Untersuchung. Zögern Sie bei Symptomen (siehe Welche Hinweise auf Schamlippenkrebs gibt es?) nicht, rasch Ihren Arzt zu kontaktieren!

Bei Juckreiz, Brennen und Schmerzen wird der Arzt in erster Linie Venushügel, Schamlippen und Klitoris hinsichtlich Farb- und/oder Oberflächenveränderungen der Schleimhaut kontrollieren, außerdem werden Muttermund, Damm und After genau untersucht. Tumorverdächtig ist, wenn die Haut erhabene Stellen, Verdickungen, weißliche, bräunliche, rötliche Stellen und offene Bereiche aufweist.

Besteht der Verdacht auf Schamlippenkrebs, wird eine Biopsie durchgeführt, bei der ein kleines Gewebestück entnommen und unter einem Mikroskop betrachtet wird. Wird Krebs diagnostiziert, werden Lungenröntgen und ein Ultraschall des Oberbauchs durchgeführt, um zu prüfen, ob sich der Tumor in Lunge und Leber ausgebreitet hat. Ist der Schamlippenkrebs in einem fortgeschrittenen Stadium, werden zudem noch Harnblase und Enddarm genau untersucht.

Wie wird Schamlippenkrebs behandelt?

Die Therapie hängt vom Fortschritt der Erkrankung ab. Grundsätzlich gilt bei Schamlippenkrebs eine Operation als die Behandlung der Wahl. Dabei handelt es sich nicht um eine Radikaloperation, sondern es wird vielmehr versucht, die Anatomie und sexuelle Funktion zu erhalten. Je nachdem, wie weit der Tumor sich ausgebreitet hat, kann es notwendig werden, den sogenannten Wächterlymphknoten aus den Leisten zu entnehmen. Das ist der Lymphknoten, der im Abflussgebiet der Lymphflüssigkeit eines bösartigen Tumors an erster Stelle liegt. Damit kann festgestellt werden, ob der Tumor schon gestreut hat. Sind mehrere Lymphknoten befallen, wird nach der Operation eine Bestrahlung durchgeführt. Bei fortgeschrittenem Schamlippenkrebs kann zusätzlich eine Chemotherapie durchgeführt werden.

Nachsorge

Nach der Therapie erfolgen die Untersuchungen alle drei Monate in den ersten drei Jahren. Falls dazwischen Beschwerden auftreten, ist der Arzt umgehend darüber zu informieren.

Ansprechpartner

Österreichische Krebshilfe-Krebsgesellschaft
Tuchlauben 19, 1010 Wien
Tel.: +43 1/796 64 50
E-Mail: service@krebshilfe.net
www.krebshilfe.net