Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Was sind die Risikofaktoren für Gebärmutterhalskrebs?

Gebärmutterhalskrebs ist in Europa, verglichen mit Ländern der Dritten Welt, eine relativ seltene Krebserkrankung. Das liegt daran, dass Gebärmutterhalskrebs sich über Jahre entwickelt und durch gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen Krebsvorstufen früh genug erkannt werden, um die Erkrankung zu verhindern. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 50 Jahren, wohingegen Krebsvorstufen oft bei sehr jungen Frauen diagnostiziert werden.

Der mit Abstand wichtigste Risikofaktor für Gebärmutterhalskrebs sind chronische Infektionen durch die humanen Papillomaviren (HPV), die sexuell übertragbar sind. Ist die Schleimhaut verletzt, geraten die Viren von der Oberfläche in tiefere Zellschichten, wo sie sich vermehren. Nach einer Art Ruhepause kehren sie an die Oberfläche zurück und befallen dort weitere Zellen. Das ist der Zeitpunkt, der für den Sexualpartner gefährlich ist und zu einer HPV-Ansteckung führen kann.

HPV-Infektionen kommen sehr häufig vor, das Risiko einer Ansteckung steigt durch folgende Faktoren:

  • frühe sexuelle Kontakte
  • häufiger Partnerwechsel
  • mangelnde Hygiene

Liegt eine HPV-Infektion vor, können sich abhängig vom Virustyp nach vier Wochen bis acht Monaten genitale Warzen bilden; allerdings kann eine HPV-Infektion auch dauerhaft über Jahre und Jahrzehnte hinweg vorliegen, bevor sich Warzen oder Läsionen entwickeln. Meist heilt eine HPV-Infektion von selbst nach ein bis zwei Jahren ab. Eine Rolle spielen dabei der Grad der Zellveränderungen, eine gute Immunabwehr und das Alter (unter 35 Jahre). Wenn die Infektion allerdings nicht von selbst abheilt, können dauerhafte Zellveränderungen zu Krebsvorstufen führen, aus denen sich nach Jahren bösartige Tumoren entwickeln können (siehe Welche Krebsvorstufen gibt es?).

Die häufigsten Fragen zu HPV

Wer HPV diagnostiziert bekommt, dem stellen sich ein paar Fragen. Hier werden die wichtigsten beantwortet:

Was ist HPV?

Das humane Papillomavirus kommt häufig vor und befällt die Haut und die Schleimhäute über kleine Hautverletzungen, die oft während des Geschlechtsverkehrs entstehen. Insgesamt sind 150 verschiedene HPV-Typen bekannt, wovon 30 sexuell übertragbar sind, wovon 15 zu den Hochrisiko-HPV-Typen (z. B. 16, 18, 31, 33, 35) gehören, die sehr oft bei Gebärmutterhalskrebs identifiziert werden. Die sogenannten Geringrisiko-HPV-Typen (z. B. 6, 11, 42, 43, 44) hingegen werden praktisch nie bei Krebserkrankungen gefunden. HPV 6 und HPV 11 sind die Hauptverursacher von genitalen Warzen. In 70 Prozent der Erkrankungen sind HPV 16 und HPV 18 für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich.

Wie häufig kommt eine HPV-Infektion vor?

Eine HPV-Infektion ist die häufigste sexuell übertragbare virale Erkrankung. Durch kleine Verletzungen der Schleimhaut gelangen die Viren in tiefere Zellschichten, verharren dort in einer Art Ruhepause, in der sie sich vermehren, um anschließend wieder an die Schleimhautoberfläche zu geraten und weitere Zellen zu infizieren. Die Wahrscheinlichkeit, sich im Laufe des Lebens mit HPV zu infizieren, liegt zwischen 75 und 90 Prozent. Die Viren verursachen lokale Infektionen und breiten sich nicht auf weiter entfernte Organe oder Gewebe aus. Ein positiver Befund allein ist kein Grund zur Beunruhigung. Im Zusammenhang mit dem PAP-Abstrich kann die genaue Bestimmung des Virustyps helfen, das Risiko für Gebärmutterhalskrebs individuell einzuschätzen.

Wie läuft eine HPV Infektion ab?

Eine HPV-Infektion verursacht selten Symptome und heilt in den meisten Fällen nach ein bis zwei Jahren von selbst ab. In manchen Fällen entstehen abhängig vom Virustyp Genitalwarzen, wovon die externen manchmal ertastet werden, aber auch unbemerkt bleiben, weil sie sehr klein sein können. Neue Warzen können zwar jucken, aber oft ist die Infektion symptomlos.

Kann man sich mehrfach anstecken?

Bekämpft Ihr Immunsystem den Virus erfolgreich, sind Sie vorübergehend gegen genau diesen Virustyp immun. Dieser Schutz ist aber nicht immer lebenslang vorhanden, sodass Sie sich in Ihrem Leben mehrfach mit verschiedenen HPV-Typen infizieren können.

Welche Folgen hat eine HPV-Infektion für die Partnerschaft?

In einer festen Partnerschaft ist davon auszugehen, dass beide Partner eine HPV-Infektion aufweisen, die jedoch keinen „Pingpong-Effekt“ bewirkt. Der Heilungsprozess der durch HPV hervorgerufenen Hautverletzungen verzögert sich nicht, wenn ein fortdauernder Kontakt mit demselben Virus besteht. Bei einem Partnerwechsel hingegen besteht für den neuen Partner ein Infektionsrisiko.

Der Nachweis einer HPV-Infektion ist übrigens kein Anzeichen dafür, dass Ihr aktueller Partner untreu war. Da HPV lange Jahre unentdeckt im Körper bleiben kann, ohne dass deswegen eine Infektion hervorgerufen wird, besteht kaum eine Möglichkeit, festzustellen, zu welchem Zeitpunkt und bei wem Sie sich infiziert haben.

Welche Krebsvorstufen gibt es?

Früherkennung der Krebsvorstufen

Der sogenannte „PAP-Abstrich“ wurde nach dem griechischen Arzt George Papanicolaou benannt, der im Jahre 1928 den Krebsabstrich des Gebärmutterhalses entwickelt hat. Der Gynäkologe streicht hier jährlich Zellen von der Oberfläche des Gebärmuttermundes und des Gebärmutterhalskanals ab, die anschließend eingefärbt und unter dem Mikroskop untersucht werden, um veränderte Zellen frühzeitig zu erkennen.

Leichte bis mäßige Zellveränderungen sind gerade bei Frauen unter 30 Jahren sehr häufig und gelten als frühe Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs. Sie werden durch HPV-Infektionen ausgelöst (siehe Die häufigsten Fragen zu HPV). Ein „auffälliger“ PAP-Test ist noch keine Krebsdiagnose und auch kein Grund zur Beunruhigung. Die Befunde sind lediglich Hinweise darauf, dass das Risiko für Gebärmutterhalskrebs erhöht ist, weil Krebsvorstufen vorliegen können. Eine HPV-Infektion heilt meistens spontan ab, die Zellveränderungen sollten aber vom Arzt regelmäßig beobachtet werden.

Einteilungen der PAP-Befunde

  • PAP 0: Dieser Befund ist nicht analysierbar, und der Abstrich muss nach zwei Wochen wiederholt werden
  • PAP I und II zeigen leichte bzw. harmlose entzündliche Veränderungen, die nicht weiter auffällig sind.
  • PAP III ist ein unklarer Befund, bei dem Krebs nicht auszuschließen ist. Daher wird meist ein weiterer Abstrich gemacht; dazu ein HPV-Test, eine Kolposkopie und eventuell eine Biopsie (siehe Was geschieht bei einem auffälligen Befund?).
  • PAP IIID steht für leichte bis mäßige Zellveränderungen, die bei jungen Frauen häufig diagnostiziert werden. Hier sind weitere Krebsabstriche in drei- bis sechsmonatigen Intervallen notwendig. Wenn sich der PAP-Befund innerhalb von ein bis zwei Jahren nicht ändert, kann eine Konisation durchgeführt werden (siehe Was geschieht bei einem auffälligen Befund?).
  • PAP IIIG ist ein abklärungsbedürftiger Befund mit auffälligen Drüsenzellen – hier sind weitere Untersuchungen notwendig.
  • PAP IVa und PAP IVb sind mäßige bis schwere Geschwulstbildungen – hier sind Kolposkopie mit Biopsie und Konisationen erforderlich.
  • PAP V bedeutet, dass Zellen von Gebärmutterhalskrebs nachgewiesen wurden und eine sofortige Kolposkopie und Biopsie notwendig sind.

CIN steht für „zervikale intraepitheliale Neoplasien“ und wird für die Einordnung der Zellveränderungen des Gebärmutterhalses nach einer Gewebeentnahme (Biopsie) verwendet.

  • CIN I bedeutet eine leichte Dysplasie, bei der die humanen Papillomaviren in der Regel nach ein bis zwei Jahren verschwinden.
  • CIN II ist eine mittlere Dysplasie, bei der ebenfalls eine spontane Rückbildung möglich ist.
  • CIN III steht für eine schwere Vorstufe oder bereits Krebs.

HPV-Infektion vorbeugen

Viele Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV. Seit Kurzem ist die HPV-Impfung für Kinder im Österreichischen Impfplan aufgenommen. Diese allein sollte jedoch nicht die jährliche Vorsorgeuntersuchung ersetzen.

  • Sexuelle Abstinenz ist der einzige Weg, um eine HPV-Infektion zu vermeiden. Kondome bieten zwar einen guten Schutz vor HPV, jedoch keinen vollständigen. HPV wird außerdem nicht ausschließlich durch sexuelle Kontakte übertragen.
  • Regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen mit einem PAP-Abstrich sind wichtig, um die Zellveränderungen zu beobachten und rechtzeitig handeln zu können. Von den Krebsvorstufen bis zu einem tatsächlichen Ausbruch der Erkrankung vergehen nämlich Jahre. Insgesamt führen zwei oder drei Prozent aller HPV-Infektionen bei unbehandelten Vorstufen tatsächlich zu Gebärmutterhalskrebs.
  • Eine HPV-Impfung wird empfohlen, bevor es zum ersten sexuellen Kontakt gekommen ist. In Österreich werden Mädchen und Buben ab dem 9.  bis zum 12. Geburtstag gratis in der Schule geimpft. Es besteht auch die Möglichkeit, die Kinder in öffentlichen Impfstellen und in einigen Bundesländern bei niedergelassenen Ärzten zu impfen. Kinder ab dem 12. Geburtstag bis zum 15. Geburtstag erhalten die sogenannte „Nachholimpfung“ zum vergünstigen Selbstkostenpreis.

Die Impfung besteht aus zwei Teilimpfungen, die zweite sollte nach sechs bis zwölf Monaten gegeben werden. Ab dem 15. Geburtstag besteht die HPV-Impfung aus drei Teilimpfungen, nach zwei und nach sechs Monaten. Insgesamt sollten die drei Impfungen innerhalb eines Jahres verabreicht werden.

Ist eine HPV-Impfung bei Erwachsenen sinnvoll?

Auch wenn sexuell nicht aktive Kinder besser auf Impfungen ansprechen, kann eine HPV-Impfung bei Erwachsenen sinnvoll sein. Wer sich einmal infiziert hat, ist kurzfristig gegen diesen Virustyp immun. Eine Impfung ermöglicht jedoch einen lang anhaltenden Schutz, auch vor anderen Virustypen.

Was geschieht bei einem auffälligen Befund?

Gebärmutterhalskrebs wird durch HPV ausgelöst, die über Jahre Zellveränderungen auslösen können. Daher kündigt sich Gebärmutterhalskrebs über verschiedene Vorstufen an, die durch die jährliche Krebsabstrichuntersuchung diagnostiziert werden. Die Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs sowie die Erkrankung in frühem Stadium verursachen keine Symptome, daher sollten Sie einmal jährlich zur gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung gehen.

Mögliche Symptome, die allerdings auch viele anderen Ursachen haben können, sind Blutungen während des Geschlechtsverkehrs, unregelmäßige vaginale Blutungen zwischen den Perioden und hartnäckiger und ungewöhnlicher Ausfluss ohne Jucken oder Brennen.

Kolposkopie

Ein auffälliger Krebsabstrich kann vom Arzt noch besser abgeklärt werden, indem er eine sogenannte Kolposkopie durchführt. Mithilfe eines speziellen Mikroskops kann der äußere Muttermund durch eine Lupe vergrößert betrachtet werden, um kleine Zellveränderungen frühzeitig zu erkennen. Der Arzt tropft währenddessen eine spezielle Essiglösung auf den Gebärmuttermund, um die Veränderungen besser zu sehen. Werden welche entdeckt, wird Gewebe entnommen und im Labor weiter untersucht (Biopsie).

Konisation

Eine Alternative zur Biopsie ist die Konisation, bei der ein kegelförmiges Gewebestück mittels einer elektrischen Schlinge oder Laserstrahl unter Narkose aus Muttermund und Gebärmutterhals herausgeschnitten und anschließend beurteilt wird.

Konisationen werden jedenfalls bei den Vorstufen CIN II und CIN III durchgeführt. Die weitere Behandlung ist abhängig vom Gewebefund und dem Fortschritt der Erkrankung.

Ist die Diagnose aufgrund der Konisation oder Biopsie gesichert und der Verdacht auf einen bösartigen Tumor erhärtet, wird der Fortschritt der Erkrankung mithilfe von Thoraxröntgen sowie Ultraschalluntersuchung der Niere und Leber durchgeführt. In manchen Fällen sind eine Blasen- und Enddarmspiegelung sowie eine Magnetresonanztomografie (MRT) sinnvoll.

Operation und Strahlentherapie

Bei einem bösartigen, invasiven Tumor werden abhängig vom Fortschritt der Erkrankung Gebärmutter und Lymphknoten operativ entfernt. Die Heilungschancen sind sehr gut. Besteht bei der Patientin ein Kinderwunsch, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine gebärmuttererhaltende Operation durchgeführt werden.

Eine Strahlentherapie erfolgt, wenn die Lymphknoten befallen sind, der Gebärmutterhalskrebs weit fortgeschritten ist oder das Operationsrisiko aufgrund des schlechten Allgemeinzustands der Patientin zu hoch ist. Die Strahlentherapie wird meistens mit einer Chemotherapie kombiniert, die insgesamt die gleiche Wirksamkeit hat wie eine operative Therapie.

Nachsorge

Nach der Therapie erfolgen in den ersten drei Jahren alle drei Monate Nachuntersuchungen, später dehnt sich das Intervall auf sechs Monate aus. Ab dem sechsten Jahr nach Abschluss der Behandlung geschieht die Nachsorge einmal jährlich.

Die Nachsorge umfasst ein ausführliches Gespräch mit dem Gynäkologen, in dem über Folgendes gesprochen wird:

  • Blutung
  • Schmerzen
  • Atembeschwerden
  • Gewichtsveränderungen
  • Probleme beim Harn und Stuhlgang
  • Juckreiz
  • Leistungsstatus

Da durch die gynäkologischen Untersuchungen die Vorstufen früh erkannt werden, ist die Zahl der Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs in den vergangenen 50 Jahren um zwei Drittel zurückgegangen. Nach der Diagnose eines invasiven Gebärmutterhalstumors, also des am meisten fortgeschrittenen Stadiums, liegt die Fünfjahresüberlebensrate bei 69 Prozent.

Ansprechpartner

Selbsthilfegruppe Blasenkrebs und Gebärmutterhalskrebs
Dornbacher Straße 20–26 (Cafeteria der Krankenanstalt Göttlicher Heiland), 1170 Wien
Tel.: +43 699/19 01 40 05 (Eva Strouhal)
Tel.: +43 699/18 76 45 39 (Hildegard Göttinger)

Österreichische Krebshilfe-Krebsgesellschaft
Tuchlauben 19, 1010 Wien
Tel.: +43 1/796 64 50
E-Mail: service@krebshilfe.net
www.krebshilfe.net