Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

Wer ist betroffen?

An den Eierstöcken können sich sowohl gutartige Geschwülste, vor allem Zysten, als auch bösartige Geschwülste entwickeln, wobei die Mehrzahl gutartig ist. Bösartiger Eierstockkrebs ist zwar selten, wird aber meist erst in fortgeschrittenem Stadium erkannt. Ursache dafür ist, dass die unspezifischen Symptome schwierig zu deuten sind (siehe: Wie äußert sich Eierstockkrebs?). Die häufigste Form von Eierstockkrebs geht vom Oberflächenepithel der Eileiter und/oder Eierstöcke aus (epitheliales Ovarialkarzinom). Keimstrang-Stroma-Tumoren bildet sich aus dem bösartig veränderten Binde- und Keimstranggewebe und Keimzellkrebs aus Embryonal- und Keimzellen (siehe: Seltene gynäkologische Krebsarten). In Österreich erhalten etwa 900 Frauen mit durchschnittlich 60 Jahren die Diagnose Eierstockkrebs.

Entstehung von Eierstockkrebs

Eine genetische Komponente gehört zu den Risikofaktoren, allerdings sollte diese nicht überbewertet werden, da nur zehn Prozent aller Betroffenen eine familiär bedingte Ursache haben. In diesem Fall spielen hauptsächlich die beiden Gene BRCA1 und BRCA2 eine wesentliche Rolle. Sie hindern normalerweise die geschädigten Zellen daran, sich zu vermehren. Sind sie allerdings genetisch verändert (mutiert), funktioniert dieser Schutzmechanismus nicht mehr einwandfrei und der Tumor kann wuchern. Wenn in einer Familie zwei oder mehr Personen an Eierstockkrebs oder Brustkrebs erkrankt sind, kann das ein Hinweis auf eine BRCA-Mutation sein: Bei einer vorliegenden BRCA1-Mutation liegt das Risiko für Eierstockkrebs bei etwa 40 Prozent, bei einer BRCA2-Mutation zwischen 20 und 25 Prozent.

Neben einem höheren Alter (Häufigkeitsgipfel zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr) und einer möglichen Vererbung gibt es weitere Risikofaktoren, wie etwa die Anzahl der Eisprünge in den fruchtbaren Jahren: Je weniger Eisprünge, desto geringer das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Häufige Schwangerschaften und die Antibabypille verringern die Anzahl der Eisprünge und bieten daher eine gewisse Schutzfunktion. Insgesamt liegt das Risiko für eine Frau, an einem Eierstockkrebs zu erkranken, bei etwa 1,5 Prozent und erhöht sich ab dem 60. Lebensjahr.

Wie äußert sich Eierstockkrebs?

Eierstockkrebs ist zwar vergleichsweise selten, doch die Tumorzellen wachsen meist unbemerkt. Erste mögliche Symptome sind Verdauungsstörungen, Blähungen und verminderter Appetit. Dauern diese Symptome mehrere Wochen an, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Folgende Symptome können auf Eierstockkrebs hinweisen:

  • Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfungen
  • Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust
  • Bauchumfangzunahme
  • Atemnot
  • Problem beim Harnlassen
  • Auftreten von Thrombosen

In erster Linie erfolgen beim Arzt gynäkologische Tastuntersuchungen sowie Ultraschall der Scheide und Tastuntersuchung des Enddarms sowie eine Computertomografie (CT) des Brust- und Bauchraums. Außerdem wird das Blut nach möglichen Hinweisen auf Krebs, wie etwa mithilfe des Tumormarkers CA 125, analysiert. Für die endgültige Diagnose erfolgt ein Bauchschnitt oder eine Bauchspiegelung, und das Gewebe wird von einem Pathologen untersucht.

Wie wird Eierstockkrebs behandelt?

Krebserkrankungen werden allgemein individuell behandelt, denn die Therapie hängt von der Art des Tumors, der Lokalisation, Ausbreitung, dem Gewebe (Histologie) und den Biomarkern, wie etwa Hormonrezeptoren der Eiweißstoffe, ab. Durch die Entwicklung der personalisierten Medizin kommen auch immer häufiger zielgerichtete Therapien infrage.

Eine operative Entfernung ist für die weitere Prognose ausgesprochen wichtig, gefolgt von einer Chemotherapie. Während der Operation wird festgestellt, wie weit sich die Krebszellen ausgebreitet haben. Ist er noch in einem frühen Stadium, werden Lymphknoten des Beckens und neben der Aorta entfernt sowie Gewebsproben vom Bauchfell entnommen. Ist er weiter fortgeschritten, kann es notwendig werden, beide Eierstöcke zu entfernen, gegebenenfalls auch die Gebärmutter oder die Milz und die Gallenblase. Da die möglichst vollständige Entfernung des Tumors wesentlich ist, wird manchmal bereits davor eine Chemotherapie durchgeführt, damit der Tumor kleiner und damit besser operierbar wird.

Wie wirkt sich die Therapie auf das weitere Leben aus?

Die Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke hat zur Folge, dass der Hormonhaushalt gestört ist, weil die Eierstockhormone fehlen. Die Menstruation bleibt aus, und jüngere Patientinnen kommen frühzeitig in die Wechseljahre, weswegen sie unter Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen leiden. Daher ist eine gute Betreuung durch den Arzt wichtig, um Patientinnen nach einer Operation eine gute Lebensqualität zu ermöglichen.

Da bei 80 Prozent der Betroffenen der Tumor innerhalb von fünf Jahren wieder auftritt, ist die Nachsorge besonders wichtig. So können mögliche Symptome einer Wiederkehr rasch erkannt werden. Die Nachsorge inkludiert die jährliche Mammografie genauso wie regelmäßige gynäkologische Untersuchungen und Ultraschall. Gibt es Hinweise auf eine mögliche Wiederkehr des Tumors, werden auch Computertomografien, Röntgen oder Magnetresonanztomografie durchgeführt.

Ansprechpartner

Neben dem Arzt steht die Österreichische Krebshilfe beratend zur Seite und bietet auch professionelle psychologische Hilfe. Außerdem haben Betroffene Selbsthilfegruppen für Patientinnen und ihre Angehörigen gegründet, um sich untereinander auszutauschen:

Selbsthilfegruppe Eierstockkrebs des Ovarialkarzinomzentrums Ostösterreich „Ovarcome“
Reichsratstraße 17/9, 1010 Wien
Betroffenenhotline: +43 650 7074737
E-Mail: kontakt@ovarcome.at
www.ovarcome.at

Österreichische Krebshilfe-Krebsgesellschaft
Tuchlauben 19, 1010 Wien
Tel.: +43 1/796 64 50
E-Mail: service@krebshilfe.net
www.krebshilfe.net